Werktätige mit Faltbeutel
War da was? Da war was. Was war da?
Ein interaktives Medienprojekt
Mit einem Zyklus von Collagen voller Bilder aus der DDR der 1980er-Jahre wird über einen visuellen Zugang den Fragen nachgegangen:
War da was? Da war was. Was war da?
Fotos von deutschen Alltagen in den 1980er (den letzten zehn) Jahren der DDR eröffnen einen visuellen Zugang zum damaligen Leben mit der Mauer.
Collagen geben der Gleichzeitigeit und Parallelität disparater Lebensbereiche eine Form und stellen unübliche inhaltliche Zusammenhänge her.
Ein bildender Künstler aus der DDR, der sich damals mit DDR-spezifischen Themen befasst hatte, begleitet sie mit Kommentaren, eigenen Texten und weiterem Material.
Eine Arbeitsprobe erschien als Rheinsberger Bogen 19
Werktätige mit Faltbeutel
pdf-Datei · 2,3 MB
Die Collagen
Abbildungen aus DDR-Zeitschriften, Fotos und Dokumente bildeten das Material für mehr als 20 großformatige Collagen des Zyklus‘ »Werktätige mit Faltbeutel«.
Auf nahezu allen Collagen ist am linken Rand – »im Westen« – eine Abbildung der Grenze zu sehen.
Alle Collagen
Genossen! Das Gedenken, es entwickelt sich!
Zeitungen nach dem zweiten Sonntag im September, dem „Tag der Opfer des Faschismus“
Dienstvorschrift Nr. 40/74
Genehmigung von Westreisen – mein Reisepass – Urkunde einer Entlassung aus der Staatsbürgerschaft
Was wir so nicht ahnten
Da hat einer „Nein“ gesagt – Nach dem „Erwerben des Vertrauens führender feindlich-negativer Personen“ bekommt ein „Hauptamtlicher IM“ seine Hauptaufgaben – Solche Texte füllen Regal-Kilometer
Von frühmorgens bis nachts
Das Ordnungsprinzip für die Folge von Collagen ist ein Tageslauf.
Die Bestandteile der Collagen sind so ausgesucht, dass die abgebildeten Vorgänge bestimmten Tageszeiten zugeordnet werden könnten.
So steht z.B. bei Im Morgengrauen der Dienstplan einer Grenzkompanie neben Fotos aus einer privaten Bäckerei, bei Nachmittags der Familienausflug neben Übungen der Kampfgruppen oder bei abends Bilder aus »Clärchen’s Ballhaus« neben denen von einem Gemeindeabend der nichtstaatlichen Friedensbewegung in einer Evangelischen Kirche.
Die Parallelität bzw. Gleichzeitigkeit von Vorgängen in privaten wie in öffentlichen Lebensbereichen, bei der Arbeit oder in der Schule, bei politischen Veranstaltungen wie in der Freizeit – von »Parteidiktatur und Alltag« – lässt sich mit einem solchen Prinzip in einer Bildkomposition darstellen.
Hunderte von Bildern aus den Alltagen
Als »Alltags-Bilder« werden Bilder von Menschen in »alltäglichen« Situationen eingesetzt.
Hunderte Bilder sind zusammengefügt, vor allem Abbildungen aus DDR-Publikationen der 1980er Jahre – ergänzt um Dokumente und nicht oder später veröffentlichte Fotos.
Es sind mehr Bilder verwendet worden als ein Betrachter in einem Zuge wahrnehmen kann. Schon durch diese Vielzahl und die Form soll deutlich werden, dass weder Vollständigkeit bei den Motiven noch eine Sammlung von »typischen« Bildern angestrebt wird. Im Gegenteil – das Projekt will versuchen, die DDR-Gesellschaft der 80er Jahre als so vielfältig und widersprüchlich vorzustellen, dass deutlich wird: So wie sich kaum »fertige« Sätze über »die DDR« aussprechen lassen – so lässt sich auch nicht »die gültige« Bildersammlung über diese deutsche Gesellschaft zusammenstellen.
Die Zuordnung von Kommentaren und Texten
a) »Führung« durch die zuvor abgebildete Collage
Erläuterungen einzelner Fotos · persönliche Zugänge und Erinnerungen · Betrachtungen zu einzelnen Themen · Detailvergrößerungen aus der Collage · weitere Fotos · Abbildungen von Dokumenten (z.B. von der Polizei-Dienstvorschrift über die Bearbeitung von Reiseanträgen bis hin zu Erziehungs- und Bildungsplänen für Kindergärten) · Verweise auf andere Collagen bzw. Texte im Buch
b) Verweise auf andere Collagen bzw. verwandte Themen
Beispiel:
Auf der Collage Nachmittags – zwei ist eine Frau in einem Schuhladen zu sehen.
Dazu gibt es einen Text über die Schwierigkeiten, manchmal die einfachsten Dinge zu kaufen oder zu »organisieren«. Es gab eine Möglichkeit, dass Freunde oder Verwandte im Westen bei einem Versandhaus namens »Genex« (Katalogseiten oben links auf der Collage Fernsehzeit) begehrte aber knappe Waren kaufen und an DDR-Bürger ausliefern lassen konnten.
Eine zweite Möglichkeit waren die »Intershops«, die auch für DDR-Bürger mit Westgeld offen standen.
Es würde u.a. beschrieben, dass es wegen der Intershops praktisch eine zweite Währung gab und dass sich dadurch eine Aufteilung der Bevölkerung ergab – in diejenigen mit bzw. die anderen ohne Zugang zu Westgeld. Zur zweiten Gruppe gehörten auch Funktionäre oder »Mitarbeiter des Staatsapparates«, weil die sich verpflichten mussten, ihre Kontakte nach dem Westen abzubrechen. (Sie genossen aber andere Privilegien, z.B. wurden sie bei der Wohnungsvergabe bevorzugt.)

