Die Mauer
1980 ⋅ Sepia-Aquarell, 102 x 73 cm

Meiner Kenntnis nach ist das das einzige in der DDR geschaffene Bild,
auf dem nichts als die Mauer zu sehen ist.
Es gab Propagandabilder zum »antifaschistischen Schutzwall« im Auftrag der Staatspartei SED. Und ich sah einige Arbeiten, in denen die Mauer mit historischen oder persönlichen Ereignissen verbunden ist.

Das Bild befindet sich im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

Fenster und Spiegelung
1980 ⋅ Offset-Lithographie, 45 x 36 cm

Die Tür und das Zimmer
1990 ⋅ Offset-Lithographie, 54 x 36 cm

Für Marina
1987 ⋅ Offset-Lithographie, 54 x 36 cm

Fenster QP 71
1978 ⋅ Sepia-Aquarell, 78 x 104 cm
Besitzer: Stiftung Stadtmuseum Berlin

Christa Wolf
Die Person, die auf Martin Hoffmanns Grafiken und Aquarellen fehlt, bin ich – das scheint mir eine Antwort auf die Frage zu sein, warum Hoffmanns Arbeiten mich von Anfang an fasziniert haben. Und wenn ich nur, wie bei den ersten »Sepias«, die ich sah, diejenige war, die von der gegenüberliegenden Häuserreihe, aus einem der gleichartigen Fenster, auf jene heraufstürzende Häuserfront in Plattenbauweise blickte (es mußte nicht unbedingt der gleiche Standort sein, den der Maler eingenommen hatte), übrigens mit einem leichten Schock, der nicht nur Wiedererkennen, auch Neu-Sehen bedeutete, weil ja seine so überaus präzisen Zeichnungen eben gerade nicht naturgetreue Abbildungen sind. Herauszufinden, inwiefern sie das nicht sind, reizt mich jedesmal wieder.

1990 ⋅ Aus »Gang durch Martin Hoffmanns Räume«
der ganze Text

Trabant WBS 70
1979 ⋅ Sepia-Aquarell, 73 x 102 cm
Sammlung Ludwig, Oberhausen

Ausblick nachts
1984 ⋅ Sepia-Aquarell, 73 x 102 cm
Kupferstichkabinett Dresden

Irgendein Korridor
1979 ⋅ Sepia-Aquarell, 102 x 73 cm

Drei Räume
1985 ⋅ Sepia-Aquarell, 102 x 73 cm

Gegenüber
1989 ⋅ Offset-Lithographie, 54 x 36 cm

Unterführung
1977 ⋅ Sepia-Aquarell, 55 x 75 cm

Eingeborene der Neustadt
1980 ⋅ Offset nach Fotomontage, 42 x 50 cm

Des weißen Mannes Pyramide
1986/87 ⋅ Collage, 100 x 160 cm

Programmierung
1987 ⋅ Sepia-Aquarell, 104 x 78 cm
Im Besitz der Kustodie der Universität Leipzig

Die große Collage und das Sepia-Aquarell sind Reaktionen auf die Atomkatastrophe in Tschernobyl am 26. April 1986.
»Glasnost« stand seit 1985 für mehr Offenheit und Transparenz im Ostblock. Jetzt wurden die Werte und tatsächlichen Vorgänge verschwiegen. Die Ost-»Berliner Zeitung« veröffentlichte die Messergebnisse aus West-Berlin.
Für mich hatte sich erwiesen: Eine Methode zur Energiegewinnung war eingeführt worden ohne die Konsequenzen wahrzunehmen.
Darum wollte ich die Katastrophe in den Kontext der Industriegeschichte und der Großvorhaben einer Gesellschaft (z.B. Pyramiden, Raumfahrt)  setzen.
Auf dem Sepia-Aquarell stellte ich den damaligen Groß-Rechner in einen Bunker. Der Drucker vorn links druckt Zahlen um die 6 000 000 aus. In den Monitoren Wetterkarte, Ruine Tschernobyl, Personalausweis, digitalisierter Kopf, Computerspiel, Medizin.
In der Pyramide habe ich Schichten gebaut. Von unten nach oben: »Naturvölker« und einfachste Tätigkeiten − Unterdrückung und Kinderarbeit − von der Geburt bis zum Tod − sorgende Arbeit und Künste − konsumieren − Industriearbeit und Spitzensport − Massenwohnungsbau und Aushöhlung der Erde − Umweltverschmutzung − Spitzenwissenschaft − Computer und Regierungsverhandlungen − Ruine in Tschernobyl und Affe in Raumkapsel

Friedliches Grünherz 2015
1982 ⋅ Offsetdruck nach Collage, 44 x 30 cm

Sieben Streifen
1980 ⋅ Offsetdruck nach Collage, 30 x 27 cm

Kopfform mit Umgebung
1980 ⋅ Offsetdruck nach Collage, 30 x 27 cm

Wetterbericht
1982 ⋅ Offsetdruck nach Collage, 30 x 40 cm

Runder Tisch
1983 ⋅ Sepia-Aquarell, 73 x 102 cm

Schatten
1987 ⋅ 7 Offset-Litographien, je 15 x 25 cm
oben links Foto, rechts unten die Erläuterung:
DIE WÄRMESTRAHLUNG
Eingang zur Sumitomo-Bank in Kamiya-cho; 250 m vom Hypozentrum entfernt.
Der Mensch muss auf den Stufen gesessen und zum Feuerball geblickt haben.
Die Steine sind im Atombomben-Gedenkmuseum aufbewahrt.
Foto: US-Armee, November 1945
HIROSHIMA

Plakat
1984 ⋅  84 x 59 cm

Plakat
1983 ⋅ 84 x 59 cm

Plakat mit Foto von Helga Paris
1982 ⋅ 84 x 59 cm

Plakat mit Fotos von Helga Paris
1982 ⋅ 59 x 84 cm
Text unten:
Etwa 50% der Wissenschaftler auf der Welt sind direkt oder indirekt an der Entwicklung neuer Waffengenerationen beteiligt.

1980 ⋅ 42 x 59 cm ⋅ mehrere Auflagen

1980 ⋅ 42 x 59 cm ⋅ mehrere Auflagen

Manfred Butzmann hatte 1977 angefangen – angeregt durch Klaus Staeck – selber Plakate zu verlegen. Das hat mich angesteckt.
Es war mit einem Trick möglich: Wir bezeichneten die Plakate als »Originalgrafik«, die konnte man nämlich bis zu einer Auflage von 100 Stück ohne Druckgenehmigung drucken. Manchmal kriegte ich auch so eine Genehmigung. Und dann haben wir uns beim Signieren/Nummerieren heftig verzählt und Nummern mehrfach geschrieben.
Walter Graetz führte eine seit 80 Jahren bestehende Druckerei fort – er war grandios! Wenn er gefragt wurde, was denn da wieder für inoffizielle Plakate gedruckt worden seien, verwies er auf die Verantwortung der Künstler. Es war also begrenzt möglich, eigene Meinungen als Plakat zu veröffentlichen.
ich hörte von einer Frau, die einen Tag auf der Polizei verbringen musste, weil sie eins meiner Plakte im Hausflur angepinnt hatte. Das war auch anstachelnd und spannend, welches Plakat den meisten Ärger bei den Offziellen auslöste.

1986 ⋅ 59 x 42 cm

1986 ⋅ 59 x 42 cm

1987 ⋅ 84 x 23 cm

1989 ⋅ 59 x 42 cm

1. Mai 1989, Grafikmarkt beim Volksfest am Alexanderplatz:
Ein Freund hilft mir, diese Plakate einzurollen und für 5 Mark über den Tisch zu reichen. Fast bildet sich eine Schlange. An dem Stand gehen Polizisten und gewiss Mitarbeiter des Ministeriums für Staatsssicherheit vorbei. Wir werden nicht behelligt.

Ab Mitte der 1980er-Jahre stellten wir uns immer wieder die Frage „Gehen oder bleiben?“.
Ich fühlte mich gefordert.
Das Plakat zeigt, wie ich das Verlassen der DDR verstanden hatte: Nur als Weggehen von Einzelnen, nicht als einen Motor der Veränderung, nicht als politischen Druck. Ich war auf »Wandel« und »Reform« in der DDR fixiert.