Astrid Kuhlmey
Begrüßung bei der Vernissage der Ausstellung am 21. August 2026
in der Galerie »Zum Alten Warmbad« • Buckow (Märkische Schweiz)
Fotos und Bericht
Ich freue mich, Sie in dem kulturgesättigten Ort in Brandenburg begrüßen zu können. Ich sage nur Brecht/Weigel und bin damit schon bei dem Künstler, dessen Arbeiten nun knappe zwei Monate hier im „Warmbad“ zu sehen sind.
Als nämlich Brecht von seinem Bühnenbildner Karl von Appen einmal gefragt wurde, welche Farbe ihm für sein Bühnenbild recht wäre, antwortete er: „Mir ist jede Farbe recht, wenn es nur grau ist.“ Eine Antwort, die auch von Martin Hoffmann sein könnte. Denn auch er holt aus dieser Farbe alle Nuancen heraus, die möglich sind.
Als ich Martin Hoffmann vor Jahrzehnten zum ersten Mal traf, gab es diese Köpfe noch nicht, aber die Grafiken der Lautlosigkeit und Stille, die jedoch zugleich so ungeheuer viel erzählten. Es waren für DDR-Zeiten dabei beinahe provokative Bilder mit scheinbar harmlosen Titeln. (Beispiel in der Ausstellung)
Was für eine Geschichte kann dahinter stecken? Oder eher Geschichten … Jeder Betrachter kann seine erzählen. Auf dessen Situation kommen Hoffmanns Bilder manchmal zu. Auf dessen emotionalen Hintergrund. Bilder mit scheinbar harmlosen Titeln.
Der größten Teil der hier gezeigten Arbeiten sind jedoch die Köpfe, mit denen Martin Hoffmann in den 90iger-Jahren begann.
Ich hatte solche Collagen aus durchsichtigen Papierschnipseln bisher nirgendwo gesehen und war sofort fasziniert.
Was war der Auslöser für diese Arbeiten?
Der Künstler nennt sie seine Gäste.
Er weiß nicht viel von ihnen. Ist es ein Mann oder eine Frau?
Ist dieser Mensch, sein Gast, heiter oder traurig?
Martin Hoffmann weiß es in der Regel nicht. Alles entwickelt sich beim Schöpfungsprozess. Ein wenig erinnert es an eine Geburt. Was wird aus dem Wesen einmal? Oder man denkt an ein Gespräch. Auch da entsteht der Charakter des Gegenübers nicht beim ersten Satz. Er kann sich im Laufe der Begegnung sogar total wandeln.
Bei Martins Köpfen geht es mir sogar so, dass ich einem Gast manchmal beim ersten Blick sehr nahe komme und bei einer zweiten Begegnung eher zögerlich reagiere. Ich weiß nicht ob es dem Künstler mit seinen Gästen ähnlich geht.
Martin Hoffmann ist ein sehr intellektueller Künstler, er kann das vermutlich alles sehr viel differenzierter ausdrücken und beschreiben. Sie können das sicher im Gespräch mit ihm erfahren.
Soviel kann ich schon sagen: Die Arbeit an einem Kopf beginnt absichtslos. Ein Schnipsel beginnt, wird irgendwo hin geklebt und dann beginnt das Spiel mit der Biografie. Schon geklebte Stellen können und werden mitunter wieder entfernt. Narben unseres Lebens, Gefühle der Zerrissenheit. Was alterslos beginnt, kann in die Jahre kommen.
Was ich am Ende unbedingt noch sagen muss: Martin Hoffmann ist ein ungemein politisch engagierter Künstler. Er war das schon in der DDR und er ist es bis heute geblieben.
Danke Martin für Deine Bilder und alles was dazu gehört
Und noch ein ps:
Als ich vor einigen Tagen aufwachte und an meine weiße Zimmerdecke schaute, war ich ziemlich verblüfft. Durch das Licht war an der Decke ein Bild von Martin Hoffmann zu sehen: ein leerer Raum, das Fensterkreuz – das alles in sich veränderndem Licht. Es war wunderschön, voller Zartheit und Melancholie – als wärs ein Bild von ihm –