November 1989 ⋅ 84 x 59 cm, Vorder- und Rückseite

Den Anzeiger klebete ich aus Berichten von Demonstrant:innen zusammen, die das Berliner Stadtjugendpfarramt gesammelt hatte. Später gab es eine Untersuchungskomission,
Die Text-Schnipsel klebte ich am 9. November 1989 abends auf, dabei hörte ich im Radio die Berichte von der Mauer-Öffnung. Tinka leitete eine Veranstaltung zur Reform der Bildung in der DDR, die leerte sich ab halb zehn Uhr.  

Ab Sommer ’89 lief bei uns in der Küche ständig der Fernseher. Tinka und ich waren fast jeden Abend unterwegs, bei Veranstaltungen der heute sogenannten Oppostion (so verstanden wir uns damals nicht). Wir sorgten aber dafür, dass Helene und Anton nicht allein zu Hause waren, es war ja nicht sicher, ob wir zurück kommen.
Am 7. Oktober wurden Tinkas Schwester und ihr Mann bei der Gethsemane-Kirche verhaftet und mussten in einer Polizei-Garage die Nacht über vor scharfen Hunden stehen. Am 8. Oktober war mein Freund Manfred Butzmann von Polizisten geschlagen worden. Angst.

Am 9. Oktober gab es nur eine bange Frage: „Wird in Leipzig geschossen?“
Vormittags gab es in den Räumen des Berliner Künstlerverbands eine Versammlung, bei der über die Brutalität der Polizei berichtet wurde. Von da ab waren diese Räume am Alexanderplatz für alle politischen Gruppen geöffnet, sie konnten sich dort vorstellen.

Zettel zur
Wahl der Volkskammer der DDR
am 18. März 1990

1990 ⋅ 59 x 42 cm

Vom Beginn des Jahres 1990 an gehörte ich zu einer Gruppe, die von Ost-Berlin aus die Arbeit von amnesty international in der DDR in Gang bringen wollte. In der alten DDR war amnesty international verboten.

Großzügig und einfühlend wurden wir unterstützt von Mitgliedern und vom Vorstand der amnesty-Sektion in der BRD. Sie zeigten uns, wie es geht, aber gaben nicht vor, genauso wie sie zu machen.