Die Zeichnungen entwickle ich aus Raum-Situationen,
in denen etwas mit mir passiert war,
ich eine Resonanz verspürte
die mit meinem Befinden korrespondierten,
die zu meinen Welt-Wahrnehmungen passten …
Ansichten sind für mich keine Anlässe.
Als Material verwende ich rauen Zeichenkarton und
harte Bleistifte.
Als Kontrapunkt zu den Collagen bemühe ich mich bei den Zeichnungen um vielleicht Alltägliches, um Wiedererkennbarkeit,
um die Achtung von leicht oder schnell Übersehenem.
Es geht mir nicht um „Fotorealismus“ –
obwohl ich einige der so arbeitenden Künstler schätze
und von ihnen angeregt wurde –,
sondern um die Konzentration auf die dargestellten Situationen,
die ich nicht durch eine wie auch immer gewollte „künstlerische Handschrift“ stören möchte.
Dass die Wahrnehmung meiner Arbeiten nicht so funktioniert,
wie ich es mir wünsche, weiß ich mittlerweile.
Konrad Knebel
So gesehen konnte auch der Eindruck von einer kühlen, freundlichen Helligkeit in den einer gnadenlosen Helligkeit umschlagen.
Bei harmloser erscheinenden Blättern mit menschlichen Schatten auf Wänden und Böden fällt mir besonders dann, wenn ich mehrere dieser Blätter zugleich sehe, ein Traum von einem großen, hellen, fast unmöblierten Zimmer ein, in dem lebhaft und laut schallend durcheinander gesprochen wurde, ohne daß ich etwas davon verstehen konnte. Aber zu meinem Schrecken befand sich außer mir niemand in diesem Raum. Vielleicht verhält es sich mit diesen Blättern ähnlich wie in meinem Traum: Anstatt der Stimmen handelt es sich hier um Schatten.
Damals, als ich die ersten Blätter aus dieser Reihe sah, fiel mir das berühmte Foto aus Hiroshima ein. Das schien mir dann einerseits doch etwas übertrieben zu sein wegen der Alltäglichkeit der Beobachtungen, ließ sich aber nicht wegdrängen. Andererseits würde ein sogenannter Erstschlagsabwurf in einem ganz normalen Alltag einschlagen und höchstens ein paar Schatten hinterlassen. – Später aber habe ich in einem Katalog Martin Hoffmanns Hinweise darauf gefunden, daß er durchaus daran gedacht hat.
Aus der Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung in der Galerie Mitte in Berlin Oktober 2008
Die Tür und das Zimmer
1990 · Offsetlithographie · 54 x 36 cm
Stuhl und Wand
1998 · Bleistift · 75 x 56 cm
Nächtliches Fenster
2002 · Offsetlithographie · 48 x 36 cm
Lutz Kreisel
Licht spielt in allen Arbeiten eine große Rolle. Die Begriffe Reflexe und Schatten stehen hier für Spiegelungen von Gedanken und Situationen. Licht auf Gegenständen und Körpern erzeugt Schatten, die auf unser Dasein zielen. Dazu sagt Martin Hoffmann: „Der Schatten, den ich werfe, ist die erste zweidimensionale Abbildung von mir, allein durch das Licht, ohne jemandes Zutun … Ein Schatten ist figürlich, aber ohne Physiognomie, eine Art gestischer Anwesenheit.”
Menschen sind auf den Zeichnungen nicht zu sehen. So sieht sich der Betrachter mit den abgebildeten Dingen ganz direkt konfrontiert. Sie vermitteln Angst, Einsamkeit und Depression. Können sie auch Optimismus und Lebensfreude vermitteln? Jedenfalls faszinieren diese Bilder und bewirken Nachdenklichkeit und Kommunikation mit Fragen unseres Lebens.
Aus der Rede zur Ausstellung in der Kunsthalle Kühlungsborn 2011




















